Nach einer entspannten Zugfahrt kamen wir schließlich in Washington D.C. an, der Hauptstadt der USA. Eine Stadt, die nur zum Regieren erschaffen wurde. Trotzdem gibt es in Washington viel zu sehen und zu erleben und vieles davon ist sogar kostenlos.

An unserem Ankunftstag haben wir nicht mehr so viel gemacht, wir waren das erste Mal in einem richtigen Restaurant essen und sind dann noch im Viertel rund um den Dupont Circle gestreift, wo wir unser Hotel hatten. Von Washington waren wir echt erstaunt. Es war ruhig, entspannt, gelassen und irgendwie verdammt europäisch. Es hat sich schon richtig heimisch angefühlt und gar nicht mehr tourimäßig. Washington stellt einen absoluten Kontrast zu New York City dar. Dies hätte ich nicht erwartet.

Nach einer angenehmen und einer ruhigen Nacht ohne Ohropax und nach einem ausgiebigen kontinentalen Frühstück ging unsere Entdeckungstour richtig los. Tag 1 war der sogenannten National Mall gewidmet. Dies ist ein fast 5 km langer Grünstreifen, an dessen einem Ende das Capitol und am anderen Ende das Lincoln Memorial steht. Dazwischen ragt hoch The Monument auf. Rund um der Mall sind dann einige Einrichtungen des Smithsonian Institut angesiedelt, denen wir uns die nächsten beiden Tage widmen wollten.

Das Capitol

Als wir die Union Station verlassen haben, um von dort zum Capitol zu laufen, haben wir da bereits gestaunt. Schon allein vor der U-Bahn-Station sieht es schön aus und stehen Statuen und Denkmäler.

Washington_Union Station

Von dort muss man dann noch ein Stück bis zum Capitol laufen, das aber auch schon von weitem sichtbar ist. Überall stehen Wachleute und bewachen die Eingänge bzw. die Aufgänge. Leider war die Kuppel des Capitol zum Zeitpunkt unseres Besuchs eingerüstet und es sah nicht ganz so schön aus, wie man es sich vorgestellt hat. Aber das ließ sich nicht mehr ändern. Fotos gab es davon trotzdem.

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Das Capitol von der Vorderseite

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Friedensfigur auf dem Capitol

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Die Rückseite des Capitol

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Blick vom Capitol aus zum Monument und der National Mall bis hin zum Lincoln Memorial

The Monument

Der Obelisk ragt mit seinen fast 170 Metern über das gesamte Areal und dient als guter Orientierungspunkt, wenn man sich abseits der Mall bewegt. Wenn ich mich recht erinnere, müsste das der höchste Obelisk sein. Außerdem ist er von einem Kreis mit US-Flaggen umgeben. Hier kommt der Patriotismus der USA sehr gut zur Geltung. Ansonsten ist der Obelisk nicht weiter spektakulär oder besonders hübsch.

Washington_The Monument_01

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Blick zurück zum Capitol

World War II Memorial

Zwischen dem Monument und dem Lincoln Memorial liegt das World War II Memorial, das an die gefallenen US-Soldaten während des Zweiten Weltkriegs erinnert und weltweit das größte ist. Das Areal und die Säulen sind schon sehr beeindruckend, am meisten hat mich aber die Wand mit den vielen Sternen beeindruckt. Jeder Stern steht für 100 gefallene Soldaten, insgesamt sind an dieser Wand ca. 4000 Sterne angebracht.

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Rainbow Pool mit dem Monument im Hintergrund

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Freedom Wall (mit einer Informationstafel mit dem Titel „The Price of Freedom“)

Lincoln Memorial

Schließlich kamen wir nach einem langen Fußmarsch am Lincoln Memorial an, in dem eine riesige Statue von Abraham Lincoln sitzt und das fast tempelartig wirkt mit den Säulen.

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Blick auf den Reflecting Pool mit dem Monument im Hintergrund vom Lincoln Memorial aus

Das Weiße Haus

Vom Capitol aus spitzelt bereits das Weiße Haus zwischen den Bäumen hervor. Es grenzt auch schon mit seinem Garten und Vorgarten an die National Mall, trotzdem muss man noch ein Stück weiterlaufen. Auf dem Weg dahin kommt man noch an weiteren Memorials vorbei. Und dann steht man schließlich davor bzw. vor einem hohen Zaun. Und auch hier tummeln sich wieder viele Wachleute, die aufpassen, dass die Touristen nicht auf dumme Gedanken kommen.

Washington_Weißes Haus

Ansonsten ist das Weiße Haus ziemlich unspektakulär. Wenn man sich nicht so lange an den einzelnen Sehenswürdigkeiten aufhält, dann schafft man diese vier Programmpunkte in einem halben Tag. Als nächstes wollten wir zum Old Post Office und den dazugehörenden Turm erklimmen. Man kann kostenlos hochfahren und soll eine tolle Aussicht auf die Stadt haben.

Washington_Old Post Office

Aber leider wurde auch dieses Gebäude gerade vollständig renoviert und war somit geschlossen. In Washington ist es gar nicht so leicht, einen Aussichtspunkt zu finden, von dem man an einen schönen Blick auf die Stadt hat, denn die Gebäude dürfen nicht höher als das Capitol sein. Von dieser Regel gibt es nur drei Ausnahmen, eine davon ist das Old Post Office mit seinem ca. 100 m hohen Turm. Unsere Alternative hieß dann German American Heritage Museum, aber auch damit hatten wir kein Glück, denn das Museum war für den Rest des Tages ebenfalls geschlossen. Da hing einfach ein handgeschriebener Zettel in der Türe, das könnte man sich in Deutschland fast nicht vorstellen. Schließlich waren wir dann noch kurz beim Ford Theater, in dem Abraham Lincoln erschossen wurde, und haben uns dann etwas früher als geplant wieder auf den Weg zurück zum Capitol gemacht.

The Monument und das Capitol bei Nacht

Beim Capitol wollten wir dann warten, bis die Sonne untergeht und das Capitol und der Obelisk beleuchtet sind. Es hat zwar eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis es endlich soweit war, aber das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das kann ich euch nur empfehlen.

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Das Capitol wird von der untergehenden Sonne angestrahlt

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Das Capitol ist nachts hell erleuchtet und sieht jetzt auch richtig schön aus

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Langsam geht die Sonne unter …

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… und taucht den Himmel in ein wunderschönes Licht

Washington_The Monument_06
Auch The Monument ist nachts hell erleuchtet und sieht mit der untergehenden Sonne einfach fantastisch aus

Smithsonian Institut

Um den Namen Smithsonian kommt man in Washington nicht herum. Der Wissenschaftler James Smithson hinterließ 1829 sein Vermögen und seine Exponate der Stadt mit dem Auftrag, für die Verbreitung und Vermehrung von Wissen zu Sorgen. Daraus entstand dann 1846 das Smithsonian (Institut). Heute gehören 18 Museen und Gallerien, der Zoo und Forschungseinrichtungen dazu, die alle kostenlos zugänglich sind. Ein Teil der Museen sind direkt bei der Mall angesiedelt, manche liegen etwas abseits davon. Außerdem gehört noch das Smithsonian Building und Castle dazu.

Washington_Smithsonian Building

Es war nicht leicht, aus der Vielzahl an Museen und Einrichtungen zwei oder drei auszusuchen. Folgende Museen gehören zum Smithsonian Institut:

  •  American Art Museum
  • Anacostia Museum
  • Arts and Industries Building
  • Center for Earth and Planetary Studies (Luft- und Raumfahrt-Museum)
  • Conservation and Research Center (National-Zoo)
  • Cooper Hewitt Museum
  • Freer Gallery of Art
  • Figge Art Museum
  • Hirshhorn Museum and Sculpture Garden
  • National Air and Space Museum
  • National Museum of African American History and Culture National Museum of African Art
  • National Museum of American History
  • National Museum of the American Indian
  • National Museum of Natural History
  • National Portrait Gallery
  • National Postal Museum
  • National World War II Museum
  • Smithsonian National Zoological Park
  • Arthur M. Sackler Gallery
  • Smithsonian Institution Building
  • Smithsonian Astrophysical Observatory

Wir haben uns schließlich für das National Air and Space Museum und das American History Museum entschieden. Eigentlich wäre ich gerne noch in das World War II Museum gegangen, aber dafür hat die Zeit nicht mehr gereicht.

National Air and Space Museum

Washington_Ari and Space Museum

In das Air and Space Museum wollte meine bessere Hälfte unbedingt rein. Um kurz nach 11 Uhr waren wir schon da und hatten gut zu tun, dass wir bis um 17.30 alles anschauen konnten. Es ist unheimlich groß und beherbergt unfassbar viele und beeindruckende Exponate der Luft- und Raumfahrt, von denen viel wirklich das Original waren. Hier mal eine kleine Liste mit den Highlights des Museums:

  • Bell X-1: Das erste Flugzeug, mit dem die Schallmauer durchbrochen wurde
  • Spirit of St. Louis: Das Flugzeug, mit dem Charles Lindbergh als erster Mensch erfolgreich über den Atlantik geflogen ist
  • Wright Flyer: Das erste Flugzeug der Gebrüder Wright, was das erste Flugzeug überhaupt in der Geschichte der Fliegerei war
  • Gestein vom Mond, das man sogar anfassen kann
  • recht anschaulicher Nachbau unseres Sonnensystems mit Informationen zu den Planeten
  • das Mars-Auto
  • Mondlandefähre
  • einige Kriegsflieger wie Messerschmitt Me262
  • V-1 und V-2 Rakete

Diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen.

National Museum of American History

An unserem letzten Tag in Washington, sind wir im American History Museum gewesen. Ich wollte dort unbedingt hin und dachte mir, dass ich dort etwas über die Geschichte und Entstehung der USA erfahren würde, aber dem war leider nicht ganz so. Man erfährt überwiegend wie sich die USA und das Leben kulturell entwickelt haben zum Beispiel mit den Ausstellungen zu Geld, Entwicklung im Bereich Essen/Kochen/Ernährung, Entwicklung der Transportmittel vom Fahrrad, über Campen bis hin zu Zug und Auto und Amerikanische Erfindungen wie beispielsweise Edison und das Licht. Es gab auch einen sehr großen Bereich, der das Thema Amerika und Krieg behandelte. Vom Amerikanischen Bürgerkrieg über die beiden Weltkriege bis hin zum Afghanistan-Krieg erfuhr man dort viele interessante Fakten. Dort ist auch das größte Stück Berliner Mauer außerhalb Berlin zu finden. Eine andere Abteilung beschäftigt sich mit Amerikanischen Geschichten, dort trifft man zum Beispiel auf Kermit den Frosch oder auf Alis Boxhandschuhe. Ein Bereich deckt auch die Afrikanisch-Amerikanische Geschichte ab, doch diesen Teil haben wir zeitlich leider nicht mehr geschafft, obwohl wir kurz nach Öffnung des Museums schon dort waren. Der für mich spannendste Teil des Museums war die Ausstellung zu den Amerikanischen Präsidenten und ihren First Ladies. Man erfährt viele interessante Fakten über die einflussreichsten Männer der Welt, kann Lincolns Hut bewundern oder erraten, welche Kinder zu welchem Präsidenten gehören. Dort hängt auch eine große Tafel an der Wand, die alle Präsidenten mit Foto und Regierungszeit chronologisch aufführt von Washington bis Obama. Von den First Ladies kann man deren Kleider bewundern oder sehen, wer sich welches Geschirr ins Weiße Haus bestellt hat. An sich ist das Museum umfangreich und es gibt viel zu sehen und man lernt auch unheimlich viel, allerdings habe ich mir unter dem Namen des Museums doch etwas anderes vorgestellt.

Georgetown

Nach dem Besuch des American History Museums sind wir noch nach Georgetown gefahren bzw. gelaufen. Georgetown ist das Altstadtviertel Washingtons und hat sehr viel Charme. Dort reihen sich Geschäfte neben Bars und Cafés und Restaurants. Hier sind dann auch die richtigen Washingtoner unterwegs. Und hier findet man dann auch tatsächlich noch Washingtons ältestes Haus – ganz aus Stein gebaut.

Washington_Georgetown_Stone House

 

Unser Eindruck von Washington D.C.

Washington ist eine tolle Stadt. Da der Fokus dieser Stadt doch ziemlich auf Regieren und Politik ausgelegt ist, ist es deutlich ruhiger. Es gibt keine Massenströme an Touristen. Man muss sich hier nicht mit noch größeren und prunkvolleren Gebäuden übertreffen. Washington kommt wie eine Kleinstadt daher und tat nach dem Trubel und der Hektik in New York richtig gut. Mal abgesehen von den vier Highlights an der Mall gibt es kaum Sehenswürdigkeiten, die man als Touri unbedingt gesehen haben muss. Dabei ist Washington voll von Denkmälern, Statuen und Gedenkstätten. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken, jede Menge zu erfahren. Es wird nicht langweilig und man kann in Washington gut eine ganze Woche verbringen und das ohne einen Cent für Eintrittsgelder bezahlen zu müssen. Gerade die Museen sind sehr lehr- und aufschlussreich, sind wahnsinnig groß und bieten beeindruckende Ausstellungsstücke. Die Museen sind auch kunterbunt aufgestellt, das heißt für jeden Geschmack und jedes Interesse findet man ein passendes Museum. Washington macht auf den ersten Blick einen recht unscheinbaren und vielleicht auch unspektakulären Eindruck, aber Washington D.C. hat viel zu bieten. Diese Stadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

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